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Die Bücherdiebin

Die Bücherdiebin

Ein Buch, das mich zuletzt sehr berührt hat ist „Die Bücherdiebin“, geschrieben von Markus Zusak. Die Geschichte wird aus der Perspektive des  Todes erzählt, in der es um Liesel Meminger geht.Liesel Meminger ist ein schöner Mensch.

Liesel kommt in den Zeiten des zweiten Weltkrieges als Pflegekind in eine Kleinstadt bei München und wir von Rosa und Hans Hubermann aufgenommen. Das Buch beschreibt Liesels schwere Anfänge in der neuen Familie, ihre Freundschaft zu Rudi, dem Jungen mit den zitronen gelben Haaren, Liesels Leidenschaft zu Büchern, die sie aus dem Haus des Bürgermeisters stiehlt und einem Juden der im Keller der Familie Hubermann versteckt wird. Und dem Krieg der alles überschattet und alles verändert.

Das Buch besticht durch seine Wortgewalt, durch die wunderbare Sprache, die surreale Erzählerperspektive und das Schicksal der fein gezeichneten Charaktere. Leid und Glück sind doch oft so nah beieinander.

Ein kleiner Auszug aus dem Buch:

Leid

Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass ich an diesem Tag jede Seele aufhob, als wäre sie neugeboren. Ich küsste sogar ein paar erschöpfte, vergiftete Wangen. ich lauschte ihren letzten, erstickten Schreien. Ihre verschwindenden Worten. ich betrachtete ihre Visionen von Liebe und befreite sie von ihrer Angst.

Ich nahm sie alle mit, und wenn es jemals eine Zeit gab, in der ich der Ablenkung bedurfte, so war es diese. In vollkommener Verlassenheit schaute ich in die Welt da oben. Ich sah den Himmel, der sich von Silber zu Grau wandelte und dann die Farbe des Regens annahm. Sogar die Wolken flohen von diesem Ort.

Manchmal stellte ich mir vor, wie es über diesen Wolken aussah. Ich wusste ohne Zweifel, dass die Sonne blond war und die endlose Atmosphäre ein einziges, riesiges blaues Auge.

Sie waren Franzosen, diese Juden, und sie waren wie ihr.

500 Seelen.

Ich trug sie wie Koffer, warf sie mir über die Schulter. Lediglich die Kinder nahm ich in die Arme.

Glück

Manchmal wachte sie in diesem keller auf und spürte den Klang des Akkordeons in den Ohren. Sie fühlte das süße Brennen des Champagners auf der Zunge.Manchmal lehnte sie an der Wand und sehnte sich nach dem warmen Finger aus Farbe, der noch einmal ihren Nasenflügel hinabrinnen möge, oder nach dem Anblick von Papas Sandpapierhänden.

Wenn sie doch noch ein Mal so ahnungslos sein und, ohne es zu wissen, solche Liebe verspüren könnte, wenn sie noch ein Mal diese Liebe mit lachen und Brot mit einem Hauch marmelade verwechseln könnte.

Es war die schönste Zeit ihres Lebens.

Interview mit dem Autor

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Heute morgen wurde ich durch das Gezwitscher des Literaturcafes wach, indem es meine Aufmerksamkeit auf einen gestern bei Telepolis erschienenen Artikel des Germanisten, Philosophen, Schriftstellers und Professors für Wirtschaftsinformatik Oliver Bendel richtete. Den habe ich dann auch gleich vor dem Frühstück mit arg gemischten Gefühlen gelesen und will nun ein wenige von denen berichten.

Worum geht es eigentlich? Bendel zeigt sich ziemlich kulturpessimistisch über Literaturbesprechungen im user-generated Content des Web 2.0. Ob es dabei um Leser(innen)rezensionen auf Amazon oder private Literaturblogs (Bendel meint diese Bezeichnung in den meisten Fällen in Anführungszeichen setzen zu müssen) geht, überall entdeckt Bendel massenweise user-generated Nonsense. Mit dieser Feststellung mag er Recht haben, an Nonsense ist im Netz kein Mangel! Doch geht Brendel aufgrund dieser Feststellung gleich noch ein Stück weiter und stellt die Legitimation, des Bloggens und Schreibens über Bücher, von Laienrezensenten, zumindest indirekt, in Frage. Man merkt beim Lesen des Artikels ganz deutlich, am liebsten würde er das Recht über Bücher zu schreiben ganz alleine in den Händen der „Experten“ wissen. „Leider verleiht das Web 2.0 den ganz unterschiedlichen Stimmen eine ähnliche Bedeutung.“ ist dann auch seine These und Meinung. Jedoch ist diese Aussage weder als These richtig, noch würde ich ihr als Meinung zustimmen. Es ist vielmehr ein Segen des Web 2.0, dass alle Menschen die Möglichkeit bekommen sich frei nach persönlichen Interessen mitzuteilen und am Inhalt des Internets mitgestalten zu können.

Aber auch als These halte ich die Aussage für grundsätzlich falsch. Nur weil eine Jede und Jeder im Netz frei über Literatur schwadronieren kann, wird dadurch doch nicht jeder Stimme die gleiche Bedeutung zuteil! Zum einen überschätzt Bendel hier die Reichweite von privaten Literaturblogs und -foren gewaltig, zum anderen wirft diese Behauptung ein ganz seltsames, patriarchalisches Bild auf Bendels Sicht des Lesers. Er stellt ihnen – ob gewollt oder nicht – mit seinem Feldzug gegen den „user-generated Nonsense“, die Fähigkeit zur mündigen Entscheidung völlig in Abrede. Der dumme Leser, die dumme Leserin brauche den Experten, der gelernt habe über Bücher zu schreiben, um  ihnen zu zeigen was gute Literatur ist und wie man diese rezensiert. Was für ein arrogantes Dozentengehabe!

Gerade die Diskussion über Bücher ist meiner Ansicht nach etwas, was sehr gut im Web 2.0 aufgehoben ist. Denn jedes Buch – auf Belletristik bezogen – ist doch immer vor allem eine subjektive Erfahrung. Da können noch so viele Literaturpäpste und -päpstinnen, Germanisten und Germanistinnen rufen, welches Buch nun hohe Literatur sei und welches nicht, entscheidend ist immer der persönliche Geschmack und die persönliche Erfahrung beim Lesen. Und darüber frei, öffentlich und umsonst zu schreiben und sich auszutauschen, ist keineswegs Schaden sondern ein großer Gewinn des Internets! Natürlich ruft jeder Roman, jedes Buch die entsprechende Resonanz hervor: Ein seichter Unterhaltungsroman wird sicherlich, sowohl im Wortlaut als auch im intellektuellen Anspruch und der fachlichen Kompetenz, andere Stimmen hervorrufen als anspruchsvollere Literatur. Aber das liegt doch dann nur in der Sache selbst begründet. Wieso will Herr Bendel denjenigen das Recht absprechen über Bücher zu schreiben, die auch deren Zielgruppe sind?

Man kann ja vielleicht der Meinung sein, die Literatur gehe vor die Hunde, es würde nur noch Schund gelesen und bejubelt. Das ist legitim. Ein schöngeistiger Bibliophiler mag sich darüber aufregen welch Nonsense auf den Bestsellerlisten des Spiegels wochenlang in den oberen Rängen herumschwebt, während andere, vielleicht um Welten schönere, bessere und auch lehrreichere Bücher von kaum jemandem beachtet wird. Aber die Gründe dafür sind doch sicher nicht im Web 2.0 und privaten Literaturblog von „Laien“ (ob dieser Begriff in dem Zusammenhang überhaupt Gültigkeit besitzt wage ich zu bezweifeln) zu suchen. Das Web 2.0 ist schließlich nichts anderes als ein Spiegel der Gesellschaft. Das weiß Bendel durchaus, denn er schreibt auch, die herkömmlichen Medien würdes es den Bloggern vormachen, indem sie nur über Bücher der großen, etablierten Verlage berichten würden. Gerade dafür ist z. B. dann das Internet eine wertvolle Plattform. Hier können interessierte und findige Leser auch zu unbekannteren Büchern finden, denn für fast jedes Interessengebiet gibt es Foren des Austausches.

Nun noch ganz kurz zwei Worte zum Thema Fach- und Sachliteratur, denn auch das Geschreibe darüber wird von Bendel aufs Korn genommen. Auch hier mimt er wieder den Musterdozenten! Sicher, der Blick auf ein Fachbuch aus Sicht des Professors ist ein anderer, als der des Studenten. Als Professor kann Herr Bendel ganz bestimmt weit besser beurteilen wo fachliche und sachliche Fehler liegen und welches Buch daher dem wissenschaftlichen Anspruch genügt und welches nicht. Als Student geht man da eher mit dem Blick der Lesbarkeit heran. Man will möglichst anschaulich und einfach in ein Sachgebiet eingeführt werden. Beide Blickrichtungen sind wichtig und wertvoll! Und wenn das Internet nun auch den Studierenden die Möglichkeit gibt sich aus Studentensicht, auch über den eigenen Campus hinaus, über Fachbücher auszutauschen, dann ist das wunderbar und durchaus zu begrüßen! Wollen sie, Herr Bendel, ihren Studierenden die Kompetenz absprechen, zwischen guten, sachlichen Rezensionen und rein subjektiven Eindrücken und Schmähschriften unterscheiden zu können? Wenn das ihr Bild ist, sollten sie sich die Mühe sparen Vorlesungen zu halten. Auf so unfruchtbarem Boden kann doch nichts wachsen.

Es ist allerdings nicht so, dass Bendel damit das Web 2.0 in Bausch und Bogen verdammen will. Sein Anliegen ist durchaus hier Besserung zu erreichen. Medienkommpetenz nennt er als Stichwort. Hier bin ich dann auch wieder mit ihm einer Meinung. Sicher ist es eine der wichtigsten Bildungsaufträge der Zukunft diese schon früh zu vermitteln und auch das Bewusstsein zu schulen, dass Anonymität nicht als Freibrief für absolute Maßlosigkeit genommen werden darf. Ob allerdings gleich die generelle Möglichkeit der Anonymität im Internet genommen werden sollte, wie es sich Bendel offenbar wünscht, bezweifle ich stark. Es gibt durchaus eine Menge gute Gründe im Netz nicht immer und jedem gleich die echte Identität zu zeigen. Netiquette 2.0 als ein weiterer Vorschlag. Wozu? Es gibt bereits Netiquette, an die sich auch viele Menschen weitgehend halten. Diese sind durchaus auch fürs Web 2.0 kompatibel. Ein Anliegen der Vermittlung von Medienkompetenz wäre vielmehr für deren weitere Verbreitung und Anwendung zu sorgen. Und auch, zu vermitteln, dass der beste Weg der breiten Etablierung, die vollständige Nichtbeachtung aller Beiträge und Kommentare derer, die sich nicht an vernünftige Umgangs- und Schreibformen halten wäre.

Im Netz wird nicht mehr und nicht weniger Nonsense verbreitet als in allen anderen Bereichen des Lebens. Die Sache ist nur, dass Nonsense im Netz nicht so kurzweilig ist und sich daher zu unglaublichen Schutthalden ansammelt.

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Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse

Geschichte: Frau Bartolotti, Teppichknüpferin und bereits im Jahre 1987 mächtig „Indie“, mit außergewöhnlichen Outfits und nicht gesellschaftskonformen Einstellungen, bekommt unerwartet ein Paket per Post , welches eine große Konserve mit ihrem neuen, siebenjährigen Sohn Konrad enthält. Frau Bartolottis unkonventionelles Leben wird durch Konrads Ankunft umgekrempelt, denn dieser hat bereits in der Fertigungsfabrik gelernt, wie sich ein Kind zu verhalten hat, was sich ziemt und was nicht.

Die Frau Bartolotti zog die Lakritzstande aus dem Mund, tauchte sie in die Thunfischsoße, schleckte sie ab und sagte: „Mensch Konrad!Nun merk dir bloß eins. Das ist nämlich viel wichtiger als sehr viel anderes. Um das was die anderen leute sagen, braucht man sich nicht zu kümmern!“

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