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Archive for November 2009

In den letzten Tagen habe ich an verschiedenen Stellen über die gegenseitigen Vorwürfe von Journalisten und BloggerInnen sowie der Abmahnung durch die Journalistin Eva C. Schweitzer gegen einen Blogger wegen eines etwas längeren Zitats auf dem Blog nomnomnom gelesen. Dazu wurde mittlerweile eigentlich auch genug gestritten, gebloggt und gesagt. Ein paar Links, die einen Einblick in die Debatte bieten, werde ich am Ende meines Kommentar setzen. Trotzdem will ich auch meine persönliche Meinung zu diesen Angelegenheiten kundtun, da ich schon seit längerem immer wieder verärgert und überrascht über den unkundigen Umgang klassischer (Medien-)unternehmen mit dem Medium Internet bin.

Schon öfters haben Abmahnungen wegen verschiedener (angeblicher) Urheberrechtsverletzungen dazu geführt, dass Privatpersonen plötzlich von erheblichen finanziellen Forderungen überrascht wurden. Diese Praxis von Unternehmen, die sich solche Rechtstreitigkeiten ohne Weiteres leisten können, scheint mir vor allem dem Ziel der Abschreckung und Einschüchterung zu dienen. Möglicherweise mögen die Forderungen aus rechtlicher Sicht teilweise legitim sein, ethisch moralisch sind sie es in den seltensten Fällen. Medienhäuser und Unternehmen bedienen sich einer Praxis, die sonst deren Umgang untereinander prägte völlig gedankenlos (oder auch in berechnender Absicht) gegen Privatpersonen.

Die meisten Blogs dienen keinem kommerziellen Zweck, sondern sind eine wunderbare Möglichkeit in gewissem Umfang am öffentlichen, demokratischen Diskurs teilzunehmen. Ohne große technische Kenntnisse und Programmiererfahrungen kann Jede und Jeder seine Gedanken, Meinungen und Beiträge einer potentiellen Gesamtöffentlichkeit zur Verfügung stellen. Dies sollte in demokratischen Ländern, die Aufklärung und Bildung als Grundmaxime für sich postulieren auf uneingeschränkte Unterstützung stoßen. Auch und vor allem von Journalisten die sich im Dienst dieser Aufklärung und als so genannte „Vierte Gewalt“ betrachten, sollten diese Möglichkeiten der Öffentlichkeit nicht Abwehr sondern Zuspruch erfahren. Dass es oft mehr auf Abwehr stößt ist eigentlich nur aus einem Gefühl der Bedrohung des eigenen Standes zu erklären. Aus Angst um die eigene Aufmerksamkeit und vielleicht aus realer Bedrohung des Arbeitsplatzes und zunehmend prekärer Vergütung für eine anspruchsvolle und äußerst wichtige Dienstleistung. Dieses Gefühl ist verständlich, richtet sich in seiner Abwehr jedoch an die falsche Adresse!

Das Problem der klassischen Medien im Internet ist ein vorwiegend selbst gemachtes. Schon seit Jahren wird von netzkompetenten Stimmen die bessere Nutzung der Möglichkeiten von Hypertext angemahnt. Blogs nutzen Verlinkungen ausgiebig und in alle Richtungen, ob kritisch, ergänzend oder zustimmend. Auch das Heise-Nachrichtenportal Telepolis macht die richtige Verwendung von Links seit langem vor. Wieso nutzen nicht auch klassische Printmedien Links zu anderen Zwecken als zu unendlichen Selbstverlinkungen, unnötigen Bilderstrecken und im Extrem sogar zu Satzstücken die durch Clicks fortgesetzt werden? Na ja, wieso sie das tun ist klar! Clicks werden gezählt, daran misst sich der Markt- und damit Werbewert. Da Werbung im Onlinemarkt für Medienunternehmen bisher das einzige Mittel ist um wenigsten ein bisschen Kapital aus dem eigenen Content zu schlagen, wird alles getan um möglichst viele Clicks zu erhalten und gleichzeitig Clicks bei der Konkurrenz zu verhindern. Dieser Schuss geht jedoch gehörig nach hinten los. Ich stelle hier einmal die nicht überprüfte These auf, dass der Niedergang bzw. die Probleme klassischer Medien im Internet (und damit auch im Printmarkt) zu einem gewissen Teil auch durch diesen falschen Umgang mit dem Medium verursacht wurde.

Eine andere These ist, dass vielleicht das bloße zählen von Clicks zur Berechnung des Werbewertes vielleicht eine grundlegend falsche Strategie ist! Sind nicht wesentlich aussagekräftiger die Links, die von anderer Stelle auf Inhalte verweisen? Nur so kommen neue Websurfer auf bestimmt Portale und diese sind doch für Werbemittel von besonderer Bedeutung. Wäre dies Praxis, wäre damit auch jeder Link, jedes Zitat auf einem Blog oder an anderer Stelle ein realer Marktwert und müsste nicht mit peinlichen Abmahnungen quittiert werden.

Daher sollten sich Journalisten, die sich in ihrer beruflichen und gesellschaftlichen Stellung bedroht fühlen oder es vielleicht sogar real sind, vielmehr in ihren Medienhäusern dafür einsetzen, dass der Umgang mit Links endlich kompetent gehandhabt wird. Es soll verlinkt werden, und zwar kreuz und quer. Auf eigene, konkurrierende und nicht-kommerzielle Quellen. Nutzt die wunderbaren und kostenlosen Inhalte von Wikipedia und anderen Quellen um eure Inhalte mit zusätzlichem Wissen zu füllen und den Lesern vertiefendes Material anzubieten.

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Links zum Thema:
taz-Blog von Eva C. Schweitzer Insbesondere die Beiträge „Empire Strikes Back“ und „A New Hope“
Spreeblick
Freischreiber – Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten
F!XMBR
Streifzugs Blog auf Freitag



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